Name: Annika Matilda Elisabet Ahlström
Alter: 23
Geschlecht: Weiblich
Land: Schweden
Name: Johann Benjamin Ulbricht
Alter: 21
Geschlecht: Männlich
Land: Deutschland
Annika und Benjamin trafen sich das erste Mal im September 2004, in dem Dörfchen und Kloster Taizé im südlichen Mittelfrankreich.
Annika dachte, Benjamin wäre einer dieser überenthusiastischen Freikirchen-Freaks, und meinte, dass sie diesen Menschen wohl nicht übersteht.
(Mehr will Annika nicht schreiben, danke für deinen Beitrag....)
Annika ist so richtig auf´m Land aufgewachsen. Auf einer Insel. Fast am südlichsten Zipfel. Der öffentliche Nahverkehr endet normalerweise etwa 5 km weiter nördlich. Bis zur nächsten -einzigen- Stadt (genau so groß wie Benjamins „Heimatdorf“) sind es etwa 100 km...
Sie ist die Tochter vom Schmied, und als Benjamin das erste mal nach Gotland kam, stellte er sich jedem als der Freund von der Tochter vom Schmied vor, da wussten alle, wer gemeint war. Annika ist definitiv praktischer veranlagt als Benjamin und kann etwas effektiver sein (Also, das Benjamin schreibt das hier, also dies ist Selbsterkenntnis...). Sie ging oft auf wirklich lange Spaziergänge (Wanderungen) oder machte Kunst oder Handwerkliches. Sie mag es, etwas Produktives zu tun. Sie fasst zuerst einen Beschluss und denkt danach. Benjamin denkt, denkt weiter, zweifelt, entscheidet sich, ändert seine Meinung, denkt und gibt auf....oder kommt zu ´ner Lösung. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, welche der beiden Methoden die bessere ist. Annika zog mit 16 mehr oder weniger von zuhause aus, um in der Stadt das Gymnasium zu besuchen. Am meisten interessierte sie sich für Kunst und Geschichte, und beides meisterte sie gut. Während des Gymnasiums nahm sie sich ein Jahr Auszeit und reiste ins Ausland. Sie lebte ein halbes Jahr in Italien (Mailand und Rom), wo sie als Babysitter arbeitete (alle, die Annikas Einstellung zu Kindern vor einigen Jahren kannten, wundern sich wohl, genau wie ich, warum....) Dort traf sie ein irisches Mädel und zog nach Irland (Kilkenny). Da war sie Floristin und fuhr von einem christlichen Treffen zum anderen. Sie genoss ihren Aufenthalt dort sehr, und vieles von ihrem Praktischen kommt wohl daher, dass sie so früh allein lebte. Sie bestieg Schwedens höchsten Berg und würde es gerne noch einmal tun. Nach dem Abitur fuhr sie mit einer Freundin nach Taizé, nur um ein paar Wochen zu bleiben, bevor sie den Jakobsweg in Spanien gehen wollten. Es wurden fast 1,5 Jahre daraus, dazwischen nur ein paar Wochen in Deutschland (oder besser gesagt Bayern...). In Taizé beschäftigte sie sich mit der Essenszubereitung für 5000 Leute und Kloputzen für 5000 Leute. Sie arbeitete auch mit bei der Dekoration aller Großtreffen von und mit Taizé.
Benjamin ist Pfarrerssohn und war deshalb schon immer süß und behütet. Mama arbeitete an vielen unterschiedlichen Stellen, als Außenhandelskaufmann, Übersetzer, in der Kommune im Büro und jetzt als Religionspädagogin in Benjamins Heimatgemeinde. Zusammen mit Papa haben die beiden alles unter Kontrolle. Ein großer Bruder und eine große Schwester gehören ebenfalls zur Familie, genauso wie ein paar Familien-Freunde, welche mit ihrem Können und logistischer Hilfe das Leben der Familie schon oft retteten. Benjamin glaubte, er lebte auf dem Land (in Leipzig....), bis er nach Gotland kam und mit der Wirklichkeit konfrontiert wurde. Er war Pfadfinder, Jugendfeuerwehrmann, im Chor, Museums-Bunker-Helfer, Schülersprecher, Schauspieler und Popstar. Dann wurde er erwachsen.
Man kann wohl sagen, er verlebte eine glückliche Kindheit. Irgendwann, erinnert er sich, betete er zu Gott und wollte mehr zu tun haben. Gott erhörte ihn, und 9 Jahre später hatte Benjamin ein burn-out. Dann ging er nach Taizé um ? und vielleicht Bruder zu werden. Dort war er in der Küche, auf´m Traktor, und vor´m Chor. Dann fuhr er nach Mailand um einen Großstadt-Koller zu bekommen und innerhalb von 5 Monaten ein Großtreffen vorzubereiten.
(Als wir 14 Monate zusammen waren, so hatten wir lediglich die Hälfte dieser Zeit am gleichen Platz gehabt, und dann eben in einem Kloster. Es waren ungewöhnliche Voraussetzungen....)
Er brauchte viel Zeit, um herauszufinden, wer er nun eigentlich war, und damit auch viel Zeit, um zu akzeptieren, dass dieser Weg nicht der seinige war....
Wir erzählten einmal, auf unserer Verlobungsfeier in Deutschland, eine Kurzversion unserer Anfangsgeschichte. Das dauerte 50 min....danach hörte Benjamin unerwartet oft, wie kompliziert und blöd er doch war. Wie auch immer, alle, die sich näher dafür interessieren, nehmt euch Zeit und ein Boot, kommt her und fragt.
Wir haben soeben ein Jahr in Hjo (Stadt-Dorf am Vetternsee) überlebt. Dort besuchte Benjamin eine Schule für Musik/Kirchenmusik und Annika studierte Kunst und Deutsch. So wie Benjamin seine Ausbildung richtig bereichernd und schön, erfrischend und niveauvoll fand, fand Annika die ihrige richtig sinnlos und langweilig. Nun sind wir zurück auf Gotland. Wir arbeiten im Altenheim, versuchen, den gotländischen Dialekt zu verstehen (zumindest 50% von uns) und gehen baden (zumindest die gleichen 50% von uns, alle anderen sind der Meinung, es ist zu kalt). Wir heiraten, wie ihr hoffentlich wisst und freuen uns wirklich wirklich sehr auf diesen Tag mit euch....